Chronisch Myeloische Leukämie / CML
   
  Syn: Abk. CML Engl:
  ICD-10: C92.1
  HER 80
   
 
  (extern:) Wikipedia: chronische myeloische Leukämie        
  Übersicht Myeloproliferatives Syndrom        
  Übersicht Leukämien und Lymphome        
   
 
Allgemein
   
   
  maligne Transformation und Proliferation ausgehend von einer einzigen pluripotenten hämatopoetischen Stammzelle        
  fast immer (90%) findet sich eine reziproke Translokation zwischen den langen Armen von Chromosom 9 und 22 [t(9;22) geschrieben]: sog. Philadelphia-Chromosom        
   
  Exposition gg. Benzol, ionisierender Strahlung und Zytostatika        
   
  Inzidenz 1/100'000, Altersgipfel zwischen 40 und 60 [2]        
   
 
Klinik
   
   
  typischer Verlauf
 
                   
 
chronische Phase
     
  idR Erstdiagnose
  wg. Zufallsbefund im Diff
  Leukoztose und mässige Splenomegalie
  idR Blasten < 10%
 
Jahre bis Jahrzehnte
 
Akzelerationsphase
     
  gewinnt an Dynamik
  zunehmende Leukozytose, Anämie, TcPenie
  zunehmende Splenomegalie
  Blasten 10-30%
  zusätzliche Chromosomenaberrationen, Trisomien
  AZ wird schlechter
 
plötzlich
 
Blastenschub
     
  "akute Leukämie"
  Blastäre Infiltrate ausserhalb des KM
  Blasten >30% im periph.Blut
  Blasten >50% im KM
  unbehandelt (früher) innert 1 Wo tödlich
   
  meist oligosymptomatisch        
  ev. Gewichtsabnahme, Nachtschweiss        
  ev. li-OberbauchSz     wg. Splenomegalie infolge extramedullärer Blutbildung
   
  Thrombosen und Durchblutungsstrg     wg. Tendenz der Lc zu Adhärenz "Klebrigkeit" (Leukostase) sowie ev. Thrombozytose
       

  (Netzhautthrombosen, Milzinfarkt, Priapismus durch Thrombose der Schwellkörper, Hirninfarkt, Myokardinfarkt)
   
  Blastenkrise: unbehandelt tödlich        
   
  akute Leukämien     idR mit Blasten im peripheren Blut und im KM
  lymphatische Leukämien     massive Lymphozytose, Peroxidase-negativ
  andere MPS: Osteomyelofibrose, PV     Leukozytenzahlen geringer als bei CML, ALP gesteigert
   
   
 
Diagnostik
   
   
  Blutbild/Diff     massive Leukozytose (bis > 500'000/ul !!!) mit Linksverschiebung, Lymphozyten normal
          Blasten im peripheren Blut: Blastenkrise!!!
       

  Thrombozytose bei 1/3 (Thromboserisiko!), Neutrophilie mit Eosinophilie und Basophilie
       

  idR mässige Anämie
  Harnsäure     idR erhöht
   
  Zytogenetik     Philadelphia-Chromosom (s.o) - in 90%
  Färbeverhalten     Myeloperoxidase-positiv
  Knochenmarkspunktion/Zytologie     hyperplastische Myelopoese, jedoch keine qualitativen Veränderungen (zB exzessive Vermehrung von undifferenzierten Blasten wie bei akuter Leukämie)
  zytochemische US des Blutausstrichs     stark verminderte Aktivität der alkalischen Leukozytenphosphatase (ALP) - im Gegensatz zu allen anderen myeloproliferativen Erkr.
  Sono Abdomen     vor Therapieeinleitung (Grösse dokumentieren)
            (ebenfalls: Leberwerte und Nierenretetionsparameter vor Tx)
  LDH     prognostischer Marker (Zeichen des Zellunterganges)
   
   
 
   
   
 
Knochenmarkstranplantation:
  - einziger kurativer Ansatz
   
  Heilung nur durch allogene Knochenmarktransplantation möglich    
  Voraussetzung: HLA-kompatibler Spender (zB Geschwister)    
    IND   idR Pat < 55 Jahren (wg. Graft-versus-Host-Disease: diese verläuft viel schwerer bei >55jährigen)    
   
 
ChemoTx
  - palliativ
   
 
  zytoreduktive Therapie mit Hydroxyurea oder IFN-    
      Ansprechen wird dokumetiert aufgrund des verminderten Expression des Philadelphia-Gens (bzw. bcr-abl-Fusionsgen)    
   
   
 
   
   
ð Robbins 728 / Curran 2.63, 2.64, 2.65 / Laissue 375
 
 
  Allgemein:   häufigste Leukämie des Erwachsenen. Anfang durchschnittlich mit 30-40 Jahren, jedoch sehr weite Streuung, auch bereits im Kindesalter möglich. Schlechtere Progose als CLL, da früher oder später (ev. nach Übergang in eine Osteomyelofibrose, siehe Präp.20, bzw. Myeloproliferatives Syndrom) der Übergang in eine akute Leukämie erfolgt, in welcher dann unreifere Formen dominieren.
In 75% dF erfolgt der Übergang in eine Myeloblastische Leukämie (
AML), in 25% dF jedoch auch in eine lymphoblastische Leukämie (meist cALL)
i ca 90% dF findet sich eine Translokation zw. Chromosom 9 und 22 (Philadelphia-Chromosom). Das Auftreten von zusätzlichen Chromosomenanomalien ist ein prognostisch schlechtes Zeichen und deutet auf einen imminenten Blastenschub hin. Die meisten Patienten sind nach dessen Beginn innert 6 Monaten tot.
         
  Klinik:   Hepato-/Splenomegalie dominiert, eine diffuse Infiltration fast aller Organe ist möglich. LK normalerweise erst spät im Krankheitsverlauf befallen. Infarkte wg. diffuser mikrovaskulärer Okklusion durch leukämische Zellen. Erst spät Anämie, Blutungen. Gefahl der Urat-Nephropathie und der sekundären Gicht, besonders nach ChemoTx.
         
  Blutbild:   Leukozytose 300G/L oder mehr, va reife Gc, meist auch Vorläuferzellen.
         
  DD:   Leukämoide Reaktion
   
Praep Bemerkung
In allen Präparaten finden sich va unreife Formen der Myelopoiese und auch der Thrombopoiese, diese "Linksverschiebung" könnte Folge eines peripheren Verbrauches der reifen Gc im Rahmen einer Sepsis sein.
18.1 CML: Milz:
Makro: Riesenmilz, oft grösser als 3kg, Gewicht bis ca. 5kg möglich (durch Tumorinfiltration sowie auch durch extramedulläre Hämopoiese). Die Milz macht durch die RF oft klinische Symptome. Feste Konsistenz, fleischigwirkende homogen blassrote Schnittfläche, evtl. gefleckte Schnittfläche wg. ws. Infarktzonen. Pleurale Adhäsionen.
Mikro:
(Qualität der Präparate meist mässig, blasse Färbung). Die Struktur der Milz ist verwischt, die weisse Pulpa ist wegen der diffusen Infiltration der roten Pulpa schlecht sichtbar. Sehr viele Myelozyten aller Reifungsstufen in der roten Pulpa, relativ wenige reife Granulozyten erkennbar. Hier wenige hämopoietische Zellen sichtbar.
18.2 CML: Lymphknoten
Makro: das Knochenmark ist durczh ein weiches, blass-grau-rosa Gewebe ersetzt, welches eien eiterartigen Aspekt annehmen kann. ev. erweiterter Markraum durch Resorption von Spongiosabälkchen.
Mikro: Übersicht: Das ganze KM weist einen verminderten Adipozytengehalt auf. (Normal Fettzellen zu blutbildendem Parenchym ca 1:1). Hohe Zellularität
Vergrösserung:
(Kein besonders ergiebiges Präparat, die Färbung ist ziemlich schwach). Es handelt sich zumeist um Vorläufer der myeloischen Reihe, das normale Verhältnis Myelopoiese/Erythropoiese (Norm ca. 3:1) ist zur Myelopoiese verschoben. (Skript: für die genaue Differenzierung dieser Zellen siehe Bucher-Hämatologiekurs im AUM) Es sind auch atypische Megakaryozyten (=Mikromegakaryozyten) vorhanden, es schein also eine pluripotente Vorläuferzelle neoplastisch transformiert zu sein.
18.3 CML: Leber
Makro: Hepatomegalie bis 3kg
Mikro: Übersicht: Gut erhaltene Leberarchitektur, vereinzelte Ansammlungen von weissen Zelen, welche die sinusoidale Grundstruktur aufgebe. Ausgedehnte Infiltrate auch der Portalfelder.
Vergrösserung: Diffuse Besetzung der Sinusoide mit myeloischen Vorläuferzellen. Es sind atypischerweise fast keie reifen Granulozyten zu erkennen. Einige Kupffer-Sternzellen enthalten schwärzliches Formalinpigment, welches als Artefakt durch eine Reaktion von phagozytiertem Hb mit Formalin entsteht.
18.4 CML: Lunge
Makro: Lungenödem
Mikro: Übersicht: Die Lungensepten erscheinen verdickt, hyperzellulär.
Vergrösserung: Die Lungengefässe sind angefüllt mit myeloischen Vorläuferzellen. Keine reifen Granulozyten zu erkennen. In einigen Makrophagen findet sich wieder das bn stark lichtbrechende Pigment (s. 18.3)
   
   
Quellen Verlauf Links
     
1   HER 80      
2   Fallbuch Med Fall 84 (S.85/299)      
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4   x      
5   x      
    nix:      
begonnen   21.12.11   angelegt
aktualisiert:   01.05.11   PathoSkript
    02.05.11   FallMED 84
broken Links:   01.05.11    
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