Polytrauma
   
  Syn: Polybléssé Engl: multiple injuries, multiple trauma
  ICD-10: T00-T07
  MÜL / Siew 773 / LeitCH
   
 
Allgemein
  - 70% Verkehrsunfälle2, seltener: Arbeitsunfälle oder Sturz aus grosser Höhe
  diverse Definitionen:
  mehrere schwere Verletzungen
    ...mit systemischer Auswirkung, die eventuell zum Ausfall initial nicht verletzter, entfernter Organe oder -Systeme führen können4
     
    gebräuchlich ist auch2:
  Verletzung von mindestens 2 Körperregionen oder Organsystemen, wobei mindestens eine einzelne Verletzung oder die Summe der Verletzungen lebensbedrohend sind.
     
    eher im wissenschaftlichen Bereich, dafür objektiv:
  Injury-Severity-Score (ISS) > 17
   
 
systemische Reaktionen beim Polytrauma:
   
   
 
  Durch einen ev. erheblichen Blutverlust (hämorrhagisch, ev. auch neurogener Schock): Störung der Blutzirkulation, Störung der Sauerstoffversorgung innerer Organe
  Durch Gewebezerstörung Freisetzung von Entzündungsmediatoren und Aktivierung des Gerinnungs- und Abwehrsystems
   
 
    Endpunkt: ev. Disseminierte intravasale Gerinnung (DIC), Multiorganversagen
   
 
(generell): systemische Reaktionen beim Polytrauma:
  neuroendokrin
  Stimulation der Neuro-Immunachse
  Metabolisch
  SIRS
  Schock
  Ischämie/Reperfusionskrankheit ("I/R-Syndrome")
   
 
primäres Management
  - standardisiert, zB nach ATLS:
   
            ATLS        
  Stabilisierung von Atmung und Kreislauf       A (Airways), B (Breathing), C (Circulation)   Primary Survey    
  orientierende klinische Untersuchung, GCS       D (Disability)        
  kurze Information über Unfallhergang                
  Tx-Rö                
  FAST, ev. Sono-Abdomen                
  GCS                
  Schädel-CT, ev. weitere CT                
   
  FAST = Fast Abdominal Sonography in Traumatology
   
 
Therapieprinzipien
   
   
 
  Der durch den Ablauf der systemischen Reaktion (siehe SIRS) beeinflusste Allgemeinzustand bestimmt den Fahrplan von medizinischen Massnahmen.
  zB keine Eingriffe in Woche 2 aufgrund der Immunosuppression4!!!
   
Zeit   PPH Tx Bsp
  präklinisch   Bergung, Sicherung und Wiederherstellung der Vitalfunktionen
erste 3h Akut- oder Reanimationsphase  
Ansprechen auf REA schlecht Live saving Surgery / lebenserhaltende Sofortmassnahmen:
  Thoraxdrainage
  Druckentlastung intracerebraler Blutungen
  Entlastung Perikardtamponade
  Versorgung innerer Massenblutungen
  offener Beckenfrakturen
unverändert Damage Control:
  Blutung stoppen
  weitere Kontamination verhindern
  Folgeverletzungen vermeiden
provisorische (Damage Control) oder definitive Versorgung schwerer Verletzungen:
  Organverletzungen von Thorax (zB Zwerchfellruptur)
  Hohlorganen des Bauchraumes
  Rückenmarkdekompression
  stark blutende Wunden des Gesichtsschädels
  offene Extremitäten und Gelenkverletzungen
  geschlossene Oberschenkelfrakturen
besser Delayed primary Surgery
4-24h Primärphase Stabilisierung des Gesamtorganismus mit Normalisierung von Atmung, Kreislauf, Metabolismus
Tag 2 - 3   Hyperinflammation Second-Look, only! zB Spaltungen von Kompartmentsyndromen
Tag 3 - 10 Sekundärphase, "Window of Opportunity"   sceduled definite Surgery
  Osteosynthesen von Unterarm- Hand- und Fussfrakturen
  Gelenkrekonstruktionen
  Verfahrenswechsel (zB FixEx auf innere Fixation)
  Definitive Versorgung von Gesichtsschädelfrakturen
Woche 2   Immunosuppression keine OPs!!!
Woche Rehabilitations- oder Tertiärphase, "Recovery"   sceduled definitive Surgery
  sekundäre rekonstruktive Eingriffe
  Physiotherapie
  soziale und berufliche Rehabilitation
   
   
Quellen Verlauf Links
     
1   MÜL      
2   Fallbuch Chir Fall 45, Seiten 46/198   ok  
3   Siew 773ff      
4   Vorkurs Basisexamen Chirurgie 2006, Vortrag O. Trentz, 21.06.06: Handout      
5   Pschy      
6   Basisexamen Chirurgie, Fragenkatalog      
begonnen   30.08.06    
aktualisiert:   18.01.07   Fallbuch
         
broken links:   30.08.06    
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Legende / Farbcode / Haftungsausschluss
7   trauma.org: Damage-Control-Surgery    
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