Kapandji-Osteosynthese
   
  Syn: Bohrdrahtabstützung nach Kapandji, Körbchendrähte nach Kapandji Engl: Kapandji Pinning Technique
Drahtspitze im Bruchspalt auf der nahen Kortikalis auflegen
 
Hebelbewegung des Kirschnerdrahtes reponiert das distale Fragment
 
Festbohren des Kirschnerdrahtes in der Gegenkortikalis fixiert die "Konstruktion"
 

Am Schluss fixieren 2-3 (intrafokale) Drähte das distale Fragment in der reponierten Stellung
  CHOP: 79.12 (geschlossene Fixation an Radius oder Ulna mit innerer Knochenfixation)
  MÜL nix / Siew nix / LeitCH / AO-Manual 153 (nur sehr wenig..)
   
 
Allgemein
   
   
 
  das distale Fragment wird mit 2-3 Spickdrähten auf Bruchspalthöhe (1) "intrafokal" in die richtige Position "gehebelt" (2), die Drähte anschliessend in der Gegenkortikalis des proximalen Fragmentes festgebohrt (3).
  Dabei halten sie das distale Fragment (gegen die Dislokationsrichtung) "wie ein Körbchen/Köcher" an der rechten Stelle.
   
 
  Die Drahtenden werden anschliessend unter der Haut versenkt oder perkutan belassen.
  Als Schutz wird ev. ein Unterarmgips angelegt
   
 
Indikationsstellung
  - klassisch: Colles-Fraktur
   
sehr gute Indikation (- 2 Kirschner-Drähte ausreichend3)
  2-Fragment-Frakturen des distalen Radius ohne Beteiligung der Gelenkfläche und ohne grössere Trümmerzone
    (zB Colles-Fraktur)     va wenn sie sich zB konservativ nicht stabil reponieren lässt!
             
relative Indikation (- 3 Drähte empfohlen3)
  extraartikuläre Frakturen mit geringer Trümmerzone der dorsalen Kortikalis
  intraartikuläre Frakturen mit nur einer Bruchlinie
   
relativ3        
  Frakturen, älter als 3 Wochen     (geschlossene) Reposition aufgrund der bereits teilweise stattgefundenen Frakturheilung ev. unmöglich
          Festigkeit der Kirschnerdrahtfixation aufgrund der posttraumatischen Osteoporosis ev. ungenügend
absolut3        
  intraartikuläre Trümmerfrakturen        
  osteoporotischer Knochen        
  Smith-Frakturen        
   
  Korrekturverlust     durch nicht korrekt eingebrachte Spickdrähte
  Irritationen von Haut, Sehen, Nerven     durch überstehende oder "blind" ohne stumpfe Vorpräparation (mit kleiner Klemme) eingebrachte Drähte
  Infektion     va. bei überstehenden Drahtenden1, 3 (- jedoch selten!) wie oft?
   
 
postoperative Procedere
  - mit oder ohne Gips
   
mit Gips1
  Gips als mechanischer Schutz der Osteosynthese und nicht als Repositinsfixation
  va bei fraglicher Compliance (Kinder, Jugendliche, mentaler Zustand)
 
  belassen der Kapandji-Drähte für mindestens 3 Wochen
  belassen des Gipses für 6 Wochen     (gespaltenen Gips nach einer Woche zirkularisieren)
   
 
ohne Gips3
  Frühzeitige aktive Übungsbehandlung (Daumen, Finger, Handgelenk, Ellbogen)
  Spickdrahtentfernung nach 6 Wochen in LA
   
 
Vorgehen1
   
   
  BV-Kontrolle: Festlegen der Spickdraht-Eintrittstellen korbförmig um das abgekippte Bruchfragment herum, Zielrichtung der Drähte: Bruchspalt.
    1. Draht: dorsal, ca in Verlängerung von Metatarsale II, zwischen den Sehnen des Zeigefingers (Ext. communis und Extensor indicis proprius) und der Sehne des M. extensor pollicis longus.
    2. Draht: radial, zwischen den Sehnen von Abductor pollicis longus bezw. Extensor pollicis brevis und der Sehne des extensor carpi radialis longus.
  Einbringen der Drähte: Haut eröffnen durch Stichinzision (2-3mm, knapp distal des Frakturspaltes), stumpfes Vordringen/auseinanderschieben des Gewebes mit einer kleinen Klemme, zwischen den geöffneten Branchen der Klemme vorschieben des Drahtes bis zum Bruchspalt, aufstützen der Drahtspitze auf der näher liegenden Kortikalis des fixen Fragmentes (1), Hebelbewegung um ca. 45° mit dem Draht (2), um den "Deckel" - das mobile Fragment- in die richtige Stellung zu reponieren. Anschliessend vorschieben und festbohren des Drahtes in der Gegenkortikalis (3).
  Analoges Vorgehen für die anderen zwei Drähte. Schliesslich sollten die Drähte wie ein Körbchenn das vorher dislozierte Fragment vor dem erneuten Abgleiten bewahren.
  Umbiegen der Drahtenden auf Hautniveau, versenken derselben unter der Haut. (bezw. einfaches kürzen der Drahtenden 3-5mm über der Corticalis)
  Hautverschluss mit Steristrip oder EKN.
  ev. Anlegen eines gespaltenen Unterarmgipses zum Schutze der Reposition/Osteosynthese. Dabei müssen die Hautstellen mit den darunterliegenden Drahtenden sorgfältig vor einer Druckstelle geschützt werden: zB mit Mepore-Kunstschaumpflaster. (Ev. Loch ausschneiden, dann darüber zweites Pflaster.)
   
 
Kapandji-Osteosynthese
anzeichnen der Punktionsstellen, einbringen der Spickdrähte und aufrichten derselben. Festbohren in der Gegenkortikalis umbiegen der Drahtenden, damit sie unter der Haut versenkt werden können.
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BV-Kontrollen

BV-Kontrolle der obigen Kapandji-Osteosynthese: zeigt die umgebogenen Drahtenden unter Hautniveau (unten links), die Korbförmige Anordnung der Spickdrähte (oben links und unten-rechts). (2 Drähte) Kapandji-Osteosynthese
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Textbaustein
   
   
         
Procedere   Ops-Bericht        
   
Quellen Verlauf Links
     
1   Jan.07, Dres Jülke und Zellner, Chirurgie, Spital Riggisberg   ok  
2   AO-Manual 153 (nur sehr wenig - 1 Absatz!)   ok  
3   Patrick Haentjens, Pierre Paul Caseleyn   ok  
      The Kapandji Pinning Technique for the Treatment of Fractures of the Distal Radius      
      Operat. Orthop. Trauamtol. 8 (1996). 20-30 (Heft1)      
             
Originalarbeiten:      
4   Kapandji A      
      L'ostéosynthèse par double embrochage intra-focal. traitement fonctionnel des fractures non-articulaires de l'extrémité inférieure due radius.      
      Ann Chir.1976 Nov;30(11-12):903-8.      
           
nix:      
    MÜL, Fallbuch Chir, Siew      
begonnen   27.02.07    
aktualisiert:   03.03.07    
    11.03.07   Artikel Haentjens'
    12.03.07   Zeichnungen
broken Links:   27.02.07    
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