Leistenhernien - Zus.fassungen aus dem Internationalen Sympsium in Köln vom 6.-7. Oktober 1995: Tension free repair
   
  Quelle: Chirlex, Autor: H. Sabiers (Hsabiers@aol, SabiersH@Kliniken-Koeln.de)
   
 
  Leistenhernie allgemein, Chirlex
  Leistenhernien-OPs, Übersicht
   
 
Leistenrekonstruktion - individuell oder generell
  Paul, Köln
   
  In 5 großen Studien seit 1992 zeigt Shouldice weniger Rezidive als Bassini.

Der Patient wünscht eine individuelle Behandlung, dabei wird es bei überindividueller Behandlung nicht mehr möglich, wegen der kleinen Fallzahlen der jeweils speziellen Behandlung Ergebnisse zu überprüfen.

Verfahren zur Leistenbruchbehandlung:
abwarten, nicht operieren
kann bei alten Patienten gerechtfertigt sein

operativ
- konventionell anterior (Shouldice)
- Tension free repair mit Netz oder Stopfen (plug)
- laparoskopische Rekonstruktion trans- oder extraperitoneal


zu fordern ist ein adaptiertes therapeutisches Verhalten, welches sich auf den individuellen Patienten und/oder die individuelle Bruchform bezieht.
Zur Beurteilung des Outcome eines jeden Verfahrens sollen die wirklich relevanten Endpunkte festgelegt werden, dies wären z.B:
Rezidivrate
Rehabilitationszeit
Komplikationsrate
Sozioökonomische Faktoren
Technische Schwierigkeit
Allgemeine Verfügbarkeit

5 Studien mit je 100 bis 150 Patienten vergleichen jeweils randomisiert die Verfahren nach Sholdice bzw. Bassini mit den laparoskopischen Verfahren.
In zwei Studien wird kein Unterschied angegeben, in zwei Studien schneidet die Endoskopie besser ab. (Frühere Belastbarkeit, kürzere Arbeitsunfähigkeit, weniger Schmerzen). Die signifikanten Unterschiede scheinen auch klinisch relevant zu sein (2-5 Tage weniger Schmerzen, 2-3 Wochen früher aktiv, billiger). Die Langzeitrezidive sind noch nicht erfaßt. Schmerzen und Aktivität sind nur sehr schwer überprüf- bzw. meßbar.
   
 
Leistenhernien in der Qualitätssicherung Nordrhein
  (Vogel, Würselen)
   
  Seit 1988 wurden im Kammerbereich
103 000 Patienten dokumentiert
102 000 Patienten operiert
166 Kliniken berichtetet 1994 über
73,0 % ITN
24,0 % Leitung
56,0 % Shouldice
21,0 % Bassini
23,0 % sonstige (Kinder)
10-15 % echte Rezidive
8,4 % postoperative Komplikationen
(Hämatom, Serom - Heparin ??)
0,8 % septische Komplikationen
0,18 % Mortalität
in den 7 beobachteten Jahren stagnieren die Ergebnisse, es gibt keine Qualitätsverbesserung.
In den Jahren nach 19990 steigt derAnteil von Komplikationen durch Serom oder Hämatom an ( Heparin ??)

Ursachen für echte Rezidive
innerer Ring zu weit
Begrenzung schlecht genäht
beginnende laterale Hernie belassen
präperitoneales Lipom belassen
Subcutanverlagerung nach Kirschner

Innere Qualitätssicherung
die eigenen Ergebnisse müssen mit den Gesamtwerten verglichen werden.
   
 
Tension free and suture less plug repair
  (Ira Rutkow, Marlboro)
   
  Tension-free and suture-less plug repair (Ira Rutkow, Marlboro)
(Rutkow war Resident im John Hopkins bis John Cameron kam. Daraufhin hat er lieber eine eigene Tagesklinik eröffnet und operiert seit 13 Jahren ausschließlich Leistenbrüche, inzwischen an die 6000.
Nebenbei ist er Wirtschaftswissenschaftler und Historiker aus Leidenschaft, hat ein dickes Chirurgisch-historisches Buch alleine geschrieben "Surgery".)
Eingangs gibt er einen Abriß der Geschichte der Leistenbruchbehandlung von der Antike bis heute. Vieles was wir von den Klassikern der Hernienchirurgie lernten, ist falsch. Fakten entsprechen nicht notwendigerweise der Wahrheit.
Die *Tensionless hernia repair nach *LICHTENSTEIN ist der entscheidende moderne Zugang zu dem Problem:
- kein Versuch schwaches Gewebe mit Nähten zu adaptieren
- Die tatsächliche Reparatur der Schwachstelle erfolgt durch die Netzprothese, nicht durch zusammenziehende Nähte
Damit scheint Lichtenstein in der Geschichte der Leistenbruchoperationen der letzten 500 Jahre der wichtigste Mensch zu sein. Ein revolutionäres Konzept folgt einem alten Schneiderprinzip:
Was tut der Schneider mit einem Loch am Knie oder am Ellbogen?
Seit tausenden von Jahren gibt es Flicken, nur Chirurgen nähen Löcher zusammen.

*GILBERT ging noch einen Schritt weiter:
- keine Zerstörung der normalen Leistenanatomie
- Inneren und äußeren Ring nicht zerschneiden
- Dissektion nur im Minimum
- analog zum Korken in den Flaschenhals wird ein
Netzstopfen (plug) zum Verschluß der Bruchlücke verwendet, ein zusätzlicher Netzstreifen verstärkt die Transversalisfaszie.

*GILBERT- Vorgehen:
Periduralanästhesie, Operationszeit 20 Minuten. Patienten gehen kurz nach der Operation ohne weiteres Schmerzmittel nach Hause. 6 cm Inzision der Epidermis. Alle weitere Präparation mit dem Cauter. Exposition mit kleinem 4-Zinker Haken.
Indirekte Hernie
Der externe Ring wir eröffnet. Der Samenstrang wird kurzstreckig freipräpariert, angeschlungen und ebenso kurzstreckig eröffnet. Der Bruchsack wird vom Samenstrang abpräpariert (high dissection), mit dem Finger wird der innere Ring von Adhäsionen befreit, der Bruchsack reponiert. Der Netzstopfen wird der Größe der Bruchlücke entsprechend reduziert und mit einer Pinzette in den inneren Leistenring gestopft. 1 - 2 Vicryl-Nähte halten den Stopfen am Rand des inneren Ringes in Position. Der Patient testet durch Husten die sichere Lage des Stopfens. Der Plug liegt retroperitoneal. Darüber kommt ein Netzstreifen, fertig
Direkte Hernie
Die Faszia transversalis wird direkt an der Basis des Bruches zirkulär eröffnet. Man findet nach Reposition des Bruchsackes ein retroperitoneales Loch, dies wird ebenfalls stumpf von Adhäsionen befreit, der Plug wird reingestopft und oberflächlich an der Transversalisfaszie festgenäht. Der Patient testet wieder den korrekten und festen Sitz durch einen Hustenstoß. Darüber kommt ein Netzstreifen, fertig.
Bei direkter und indirekter Hernie: zwei Plugs, zwei Netzstreifen.
The open approach (plug) is the less invasive

Die Rezidivraten
der unterschiedlichen Operationsverfahren (einschließlich der klassischen) sind uninteressant, da sie immer sehr niedrig sind (1-2%), wenn sie von Experten ausgeführt werden. Wenn keine Experten operieren, liegen die Rezidivraten zwischen 10 und 15%.
Aber die anderen Fakten sind wichtig:
Komplikation, Rehabilitation Ökonomie, Business!!

Naht Netz Laparoskopie


Techni Schwierigkeit hoch mittel niedrig
Komplikation mittel niedrig mittel
schw.Komplikation mittel niedrig hoch
Rehabilitationszeit langsam schnell schnell
Kosten niedrig niedrig hoch

Infektionen
gibt es nicht, wenn man klein inzidiert und schnell operiert. Kommen sie dennoch vor, sind sie oberflächlich: Oberflächliche Eröffnung, Antibiotica.

Ökonomie
Eine Million Hernienoperationen pro Jahr in den USA. Wem gehört die Op? Der Industrie? Sind dann alle happy? Gehören die Chirurgen den Companies?
Kosten pro Operation 8 h in Tagenklinik bis 17 000 $! Grund: Laparoskopie!
Folge in USA:
1994 50 % Netz
1994 60 % Netz ....
Laparoskopie, *Shouldice: in USA: tot.
*Bassini existiert nicht, hier in Deutschland wird operiert wie in USA vor 10 Jahren.
Prozentsatz der Laparoskopischen Operationen in USA:
Hernie 5 %, Galle 90 %, Appendix 15 %, Hysterektomie 15 %
Seitdem die lap. CHE existiert, werden pro Jahr 25 % mehr Gallen entfernt.
   
 
Lokalanästhesie bei Leistenhernien
  Arlt, Aachen
   
  etwa bei 5 % aller Leistenhernienoperationen in Deutschland.
In Aachen wird eine Infiltrationsblockade in drei Schritten durchgeführt:
primär: 1.Blockade des N. ileohypogastricus und des N. ileoinguinalis
2.Infiltration des Operationsgebietes
sekundär: 3.Infiltration und Blockade des N. genitofemoralis im weiteren Verlauf der Operation
durch dieses Vorgehen geben die Patienten in der frühen postoperativen Phase weniger Schmerzen inerhalb der ersten 24 postop. Stunden an, weniger Fälle akuten Harnverhaltes als bei ITN, weniger respiratorische Einschränkungen
Die übrigen Komplikationen zeigen keinen Unterschied.
Der Patientenkomfort insgesamt erscheine verbessert.
   
 
optimale Anästhesie bei Hernienoperationen
  Tryba, Bochum
   
  Bei peripheren Anästhesieverfahren sind in jüngerer Zeit kaum cardiovaskuläre oder allergische Komplikationen bekannt geworden. Die systemimmanenten Komplikationen der ITN sprechen eher für die Anwendung peripherer Verfahren.
Diese Unterschiede bekommt man allerdings nur dann heraus, wenn man sehr große Fallzahlen betrachtet.
Viel Gründen sprechen für mehr Lokalanaesthesie. Die Bochumer Variante verzichtet auf Blockaden
1. Infiltration der Subcutis
2. Nach der Inzision von Haut und Subcutis gezielte flächige
Infiltration des Raumes unter der Externusaponeurose.
Damit werden all drei sensiblen Nervenäste erreicht
(N. ileohypo-gastricus, N. ileoinguinalis, N. genitofemoralis)
   
  endoskopische Hernienoperationen
   
 
the outlook of endoskopic surgery
  Perissat, Bordeaux
   
  Hält seinen bekannten aktualisierten Vortrag über die Entwicklung der Endokopischen Chirurgie, wobei er zu den Hernien keine eigenen Erfahrungen beitragen kann, da er einen Hernienspezialisten (s.u.) in der gleichen Stadt hat.

Zu erwähnen bleibt sein kosmetisch guter Zugang zum offenen Abschluß laparoskopisch assistierter Darm(teil)resektionen: kleiner medianer Unterbauchquerschnitt in der Schamhaargrenze.
   
 
Laparoskopische Hernienoperation: die total extraperitoneale Technik TEP
  Dulucq, Bordeaux
   
  Der Intraperitonealraum wird durch keinen Troikar penetriert, durch keine Inzision verletzt. Anfänglich hat man Probleme den präperitonealen Raum unterhalb der Fascia transversalis korrekt mit der Verresnadel zu erreichen und dort etwa 1 l CO2 einzubringen. Danach muß dieser Raum unter Sicht von den zahlreichen Gewebsadhäsionen befreit werden, damit der laparoskopische Blick in gewohnter Qualität möglich ist. Dulucq benützt hier ausschließlich die elektrische Schere.
Der Raum wird rasch lateral bis zum M. psoas und bis über die Medanlinie hinaus freigelegt. Damit hat man Platz genug, um nach Reposition des Bruchsackes ein großes Netz (15 x 12 cm) zu plazieren. Dies wird nicht eingeschnitten, nicht fixiert, weder mit Klammern, noch mit Nähten. Dadurch gibt es keine Komplikationen duch postoperative Schmerzen durch Nervenläsionen lateral oder auf dem Psoas. Die peritoneale Bruchlüche wird nicht versorgt.
Das große Dacronnetz wird alleine durch den intraabdominalen Druck nach Entlastung des CO2 Druckes in Position hinter der Transversalisfaszie gehalten.
Inzwischen gibt es eine dreidimensional anatomisch vorgeformte Dacronprothese für etwa 50 $.
Infektionen des Netzes wurden noch nicht gesehen.

Am Anfang ist diese Methode schwerer zu erlernen als die intraperitoneale, auf Dauer ist sie jedoch viel sicherer.
   
 
Transabdominell präperitoneale TAPP Technik
  Kunz, Ulm
   
  Nach Inzision der Fasie und Reposition des Bruchsackes wird ein 10 x 13 cm großes Netz eingebracht und mit Klammern von innen auf der Faszia transversalis fixiert (keine Klammer lateral!!).
Große Hernien und Rezidivhernien sind eine Kontraindikation für die extraperitoneale, aber ncht für die intraperitoneale Technik.
Bis zum 14. postoperativen Tag werden signifikant weniger Schmerzen unter Belastung angegeben als bei dem Shouldice Verfahren.
Das laparoskopische Verfahren ist bei Patienten vorzuziehen, die früh belasten wollen (Schwerarbeiter, Sportler), oder bei Rezidiven. Kinder, Jugendliche oder Senioren benötigen dieses Verfahren nicht.
   
 
Transperitoneale Technik
  Bittner, Schweinfurt
   
  Wird als Regeloperation empfohlen, konventionelle Verfahren nur noch bei großen Skrotalbrüchen oder auf Patientenwunsch.
Vorgehen:Große peritoneale Inzision, die Transversalfaszie wird von innen fettfrei freipräpariert. Alle Strukturen werden identifiziert und freigelegt. Das Netz wird hinter die Samenstranggebilde plaziert und mit einigen Clips fixiert, das Peritoneum wird wieder mit Naht verschlossen. Im lateralen Anteil darf wegen der Nerven nichts geklippt werden.
möglichst wenige Clips
Keine Clips lateral des Samenstranges
Peritonealverschluß (fortlaufende Naht oder Clips) sicher
ab dem 14. Tag Vollbelastung und Arbeitsaufnahme
Komplikationen:
Schädigungen N. femoralis lateralis, genitofemoralis (stören den Patienten jedoch meist nicht). Rezidive in der Lernphase meist medial durch ein dort zu kleines Netz, bzw. durch eine nicht ausreichende Deckung der medialen Bruchpforte.
Zwei Patientengruppen, die am ehesten profitieren:
-Rezidive nach konventioneller Operation
-bilaterale Hernien, die gleichzeitig mit gleicher Morbidität wie einseitige Hernien operiert werden können.
   
  offene Techniken
   
 
Lichtenstein tension free repair
  Amid, Los Angeles
   
  Gewebe nicht unter Spannung nähen
kompromittiertes Gewebe nicht nähen
Der ganze Leistenboden wird von einem großen Netz bedeckt. Dieses muß größer sein als das sog. Hesselbach Dreieck (Leistenband, Rektusscheide, Internusrand, entspricht der Fläche der freipräparierten Transversalisfaszie). Die Gefäße sollen bei der Präparation am Samenstrang belassen bleiben, dann werden auch die Nerven geschont. Der Samenstrang wird nur in Höhe des inneren Leistenringes eröffnet und der Bruchsach dort dargestellt, da nur dort der Samensstrang schmal sein muß.
Das Netz wird mit wenigen Stichen am Leistenband und an der Rektusscheide fixiert.
Ein 10%iger Schrumpffaktor des Netzes muß einkalkuliert werden.
Die Operation ist therapeutisch und prophylaktisch.
Der degenerative Prozeß erfaßt die gesamte Region, deswegen muß das Netz protektiv wirken.
Immer Lokalanästhesie, da danach weniger postoperative Schmerzen.
   
 
Technik nach Stoppa
  Stoppa, Amiens
   
  Eine einfache und effektive Methode für komplexe und schwere Fälle.
Subumbilicale mediane Inzision bis zum Peritoneum, welches intakt bleibt. Freilegen des Raumes unter der Faszia transversalis bis weit nach lateral beidseits und dabei Reposition des Bruchsackes.
Das gesamte subumbilical erreichbare Peritoneum wird beidseits mit einem großen BI getränkten Dacron Netz subfaszial eingewickelt. Das Netz wird nicht fixiert, sondern mit acht langen Klemmen in Position gebracht, hält durch den intraabd. Druck von selbst. Keine resorbierbaren Materialen. Das Dacron läßt sich gut manipulieren, klebt gut und ist relativ billig. Infektionen werden durch oberflächliche oder tiefe Eröffnung der Wunde behandelt, ohne die Prothese zu entfernen. Spätere Fisteln werden sorgfältig exzidiert.
   
 
Technik nach Jean Rives
  Flament, Reims
   
  Für die schwierigsten Fälle (vitale Probleme, riesige Hernien, multiple Rezidive)
Die Faszia transversalis wird durch ein Dacron Netz ersetzt. Das Netz wird am Cooper Ligament festgenäht und medial mit U-Nähten unter der Muskulatur fixiert. Der innere Leistenring wird durch eine Netzinzision wie beim Lichtenstein Verfahren umschlungen und lateralisiert.
   
   
 
quellen verlauf links
     
1   Chirlex, Autor: H. Sabiers (Hsabiers@aol, SabiersH@Kliniken-Koeln.de)      
begonnen   22.08.06    
aktualisiert:        
         
broken links:   .03.06    
rückmeldungen via emaille
legende / farbcode
6        
7        
8